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Pressestimmen

3/2001
Die Rolfing-Methode
Von DR. MED. WERNER
KLINGELHÖFFER, Orthopäde, Bad Tölz
In der zweiten Hälfte
des vergangenen Jahrhunderts gab es eine Reihe neuer Ansätze der
manuellen Therapie, unter anderem Osteopathie, Feldenkrais-Methode und
Alexander-Technik. In diesem Zusammenhang ist auch die Methode der
"Strukturellen Integration nach Ida Rolf", eher bekannt als "Rolfing",
zu sehen. Die amerikanische Biochemikerin Dr. Ida Rolf entwickelte eine
Methode, die durch die dauerhafte Verbesserung von Körperstruktur
und -form, einen Zuwachs an Vitalität und ihr transformatorisches
Potenzial beeindruckt.
Was halten Sie als
Orthopäde von der Rolfing-Methode?
Zunächst einmal haben
der Orthopäde als Facharzt für den Bewegungsapparat und der
Rolfer als Therapeut, der den Bewegungsapparat balanciert, eine
gemeinsame Basis: die Betrachtung des Menschen in seiner
Gesamtstruktur. In der Untersuchung - die Rolfer nennen es "Body
Reading" - wird sowohl die Statik als auch die Funktion analysiert.
Dabei werden Aspekte aus der Osteopathie, der viszeralen Osteopathie
oder der Kraniosakraltherapie, also energetische Phänomene,
handwerklich umgesetzt, denn der Rolfer setzt an anatomischen
Strukturen an.
Rolfing unterscheidet sich von vielen anderen alternativen
Ansätzen zum einen durch die profunde Ausbildung in Anatomie,
Physiologie und auch Entwicklungsgeschichte, zum anderen dadurch, dass
Rolfing ein Handwerk ist; es zeichnet sich durch eine hohe
Präzision der Berührung aus. Der Rolfer sieht quasi mit den
Fingerspitzen. Die Berührung ist so sensibel wie die eines
Uhrmachers, gleichzeitig aber so kraftvoll wie die eines Schlossers -
darin liegt die Kunst der Methode. Sie überzeugt durch effiziente
Interventionen und dauerhafte Erfolge.
Wie funktioniert Rolfing?
Das wesentliche Prinzip von Rolfing ist die Lösung von
Verklebungen der scherengitterartigen Struktur des Bindegewebes, das
als Netzwerk alle Bestandteile des Körpers miteinander verbindet.
So können Verklebungen von interstitiellem Gewebe Beschwerden an
ganz anderer Stelle auslösen.
Rolfing setzt daher nicht notwendigerweise am Ort der Störung an.
Die meisten alternativen Methoden haben ja als Ziel die Balancierung
des Körpers- und auch des Geistes. Schulmediziner sehen hier oft
die Gefahr der Esoterik. Rolfing gehört mit Sicherheit nicht in
diese Kategorie- dafür ist diese Methode viel zu
orthopädisch.
Welche Patienten kommen
für eine Rolfing Behandlung in Betracht?
In der Orthopädie sind es vor allem Patienten mit strukturellen
Veränderungen, ob sie nun durch Traumen (z. B.
HWS-Schleudertrauma) oder durch erworbene Störungen (z.B.
lumbosakraler übergang) bedingt sind. Aus eigener Erfahrung kann
ich bestätigen, dass erstaunliche Erfolge erzielt werden.
Gibt es
Kontraindikationen?
Ich sehe eine Kontraindikation bei knöcherner Ursache eines
Bewegungsdefizits. Offiziell gelten Osteoporose, entzündliches
Rheuma, degenerative Muskelerkrankungen, maligne Erkrankungen, frische
Traumata und schwere akute Erkrankungen als Kontraindikationen.
Das Interview führte
Dr. Wiebke Seydel.
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