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Apotheken
Umschau 2. Januar 2002
Rolfing: Den
aufrechten Gang üben
Wer traurig ist,
lässt den Kopf hängen, wer angestrengt arbeitet, verspannt
oft im Schulterbereich und macht den Rücken krumm. Unsere
Körperhaltung sagt viel über unsere momentane
körperliche und seelische Verfassung.
Die Biochemikerin Ida Rolf (1896–1979) entwickelte aufgrund ihrer
Beobachtungen eine Körpertherapie, mit der sie verhärtete,
verkrampfte und verkürzte Muskeln, Sehnen und Bänder wieder
lockerte und löste.
Im Zentrum der Behandlung steht das Bindegewebe, vor allem die
Muskelfaszien. „Diese dünnen festen Häute umhüllen jeden
unserer Muskeln wie eine eng anliegende Plastiktüte. Sie setzen
sich mit den Sehnen fort und verbinden sich mit der Knochenhaut",
erkärt der Rolfer Dr. Peter Schwind aus München. Gesunde
Faszien sind dünn und elastisch. „Fehlt es dem Körper an
Bewegung, verlieren die Faszien ihre Elastizität und verkleben
miteinander", so Schwind weiter. Und das führt mit der Zeit zu
Beschwerden. Ein Rolfer versucht nun durch seine Behandlung, den
Menschen wieder ins Lot zu bringen, ihn aufzurichten.
Wie funktioniert die Methode? Zu Beginn einer Behandlung analysiert der
Rolfer zunächst einmal Gang und Haltung des Patienten genauestens.
Oft kann er schon daran erkennen, wo das Problem vermutlich liegt. In
zehn Sitzungen, die jeweils bis zu eineinhalb Stunden dauern
können, arbeitet der Rolfer mit unterschiedlichem Druck der Finger
und Fingerknöchel, der Handflächen und des Ellenbogens
bestimmte Körperbereiche durch.
Behutsam wird in den Rolfing-Stunden auf das Bindegewebe eingewirkt.
Der Klient unterstützt die Behandlung, indem er bewusst atmet und
versucht, den Sauerstoff in bestimmte Körperabschnitte zu lenken.
Nach erfolgreicher Therapie ist dann nicht nur der Körper, sondern
auch die Psyche wieder im Lot. Diese Methode regt die
Selbstheilungskräfte des Körpers an.
Wann hilft Rolfing?
Rolfing tut allen
stressgeplagten Menschen gut, kann Bandscheibenprobleme,
Haltungsschäden, Spannungskopfschmerzen und Schleudertraumen
lindern. . Außerdem lernen die Klienten spezielle Übungen,
mit denen sie falsche Bewegungsmuster auch im Alltag vermeiden
können. Sportler, Tänzer und Schauspieler schätzen diese
Gesundheitsvorsorge als Weg zu einer besseren Körperbeherrschung.
Risiken der Therapie:
Bei entzündlichem
Rheuma, degenerativen Muskelerkrankungen und Lähmungen sollte
Rolfing nicht angewandt werden. Genauso wenig dürfen Menschen mit
Tumorerkrankungen damit therapiert werden oder noch nicht verheilte
Wunden. Schmerzen während der Behandlung sollten sofort dem Rolfer
mitgeteilt werden.
Was kostet die
Behandlung? Für eine Sitzung
müssen Sie mit 85 bis 90 Euro rechnen. Die gesetzlichen
Kankenkassen unterstützen diese Therapieform nicht.
Wo finden Sie einen
Therapeuten? Eine ausführliche
Liste von Rolfern in Deutschland erhalten Sie bei der
European Rolfing Association
Nymphenburger Str. 86
80636 München
Tel. 089/54 37 09 40
Fax 089/54 37 09 42
www.rolfing.org
E-Mail: mail@rolfing.org
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